Deutschland-Krise: VW will 100.000 Jobs streichen – Vier deutsche Werke vor der Schließung

Die Deutschland-Krise spitzt sich immer weiter zu: Volkswagen plant laut Medienberichten den größten Job-Kahlschlag in der deutschen Automobilgeschichte: Weltweit will Europas größter Autobauer 100.000 der 657.000 Arbeitsplätze streichen. Das sind doppelt so viele wie bisher bekannt. Zusätzlich zum Werk Osnabrück stehen offenbar vier weitere deutsche Werke über kurz oder lang vor der Schließung: Hannover und Emden in Niedersachsen, Zwickau in Sachsen sowie das Audi-Werk Neckarsulm in Baden-Württemberg.

Ein entsprechendes Sanierungskonzept habe VW-Chef Oliver Blume seinen Führungskräften präsentiert. Zuerst hatte das „Manager Magazin“ berichtet und sich auf Insider berufen. Andere Medienberichte (u.a. NDR, BILD) bestätigen die Informationen.

Mit den Sparplänen verdoppelt der VW-Konzern seine bisherigen Abbauziele. Bisher war bekannt, dass Volkswagen bis 2030 mit 50.000 Stellen weniger plant. Den Stellenabbau hatte der Konzern Ende 2024 mit den Gewerkschaften vereinbart. Bis 2030 gilt an den deutschen Konzernstandorten eine Beschäftigungssicherung, die mit der IG Metall vereinbart wurde. Ob diese weiterhin uneingeschränkt Bestand hat, war zunächst unklar.

IG Metall kündigt Widerstand an

Die Belegschaft reagierte empört auf die neuen Sparpläne. Der VW-Betriebsrat kündigte energischen Widerstand an und sprach von „unverantwortlichen Drohungen“, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung von Christiane Benner (IG Metall), Daniela Cavallo (Betriebsrat) und Thorsten Gröger (IG Metall Niedersachsen/Sachsen-Anhalt) heißt.

Indirekte Bestätigung

Die Konzernspitze bestätigte den geplanten Sparhammer indirekt. Es handle sich um eine vertrauliche Unterlage, teilte ein Sprecher mit. Diese würde in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. „Diesem Prozess werden wir nicht vorgreifen“, sagte der Sprecher. Man arbeite seit Monaten „intensiv“ an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens.

Turbulente Aufsichtsrats-Sitzung erwartet

Wie die Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, ist unklar. Laut „Manager Magazin“ sollen die Pläne am 9. Juli im Aufsichtsrat beraten werden. Ob sie dort angenommen werden, erscheint zumindest fraglich.

Denn: Arbeitnehmervertreter stellen die Hälfte der Mitglieder, zusammen mit den beiden Vertretern des Landes Niedersachsen sind sie sogar in der Mehrheit. Das Land ist mit 20 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligt.

Niedersachsen werde „keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt“, teilten Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg („Grüne“) in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Beide sitzen im Aufsichtsrat von Volkswagen. Die Zukunft des Konzerns werde nicht dadurch gewonnen, dass man „immer neue Werksschließungen oder immer größere Stellenabbauprogramme in den Fokus stellt“.

„Umfassende Transformation“

Ein VW-Sprecher verwies auf die großen Probleme, mit denen der Wolfsburger Autobauer zu kämpfen habe. Das aktuelle Geschäftsmodell, Autos in Deutschland zu entwickeln, in Europa zu produzieren und weltweit zu exportieren funktioniere nicht mehr für alle Marken. Es gehe nun darum, „das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen“. Ziel sei eine „umfassende Transformation“. Der gesamte Konzern müsse sich tiefgreifend verändern, so der Sprecher.

Krise als Dauerzustand

Bei Volkswagen hatte sich die Dauerkrise zuletzt dramatisch zugespitzt. Der Konzern verzeichnete für das Gesamtjahr 2025 einen Gewinneinbruch nach Steuern um rund 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2026 setzte sich der Abwärtstrend mit einem Minus von 28,4 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro fort.

Als Gründe gelten das Elektro-Desaster, hohe Energie- und Personalkosten sowie die wachsenden Probleme auf dem wichtigsten Markt China. Die US-Zölle taten ein Übriges.

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