In der deutschen Industrie stehen die Signale auf Niedergang. In der Metall- und Elektroindustrie sind nach Angaben des Arbeitgeberverbands seit 2019 rund 320.000 Arbeitsplätze verlorengegangen, 103.000 davon allein im letzten Jahr.
Insgesamt ist die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Industrie auf ein Zehnjahrestief gesunken. Nur noch 6,6 Millionen Menschen sind im wertschöpfenden Sektor tätig, stellt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für die Bertelsmann Stiftung fest.
Waren im Jahr 2014 noch 22 Prozent aller Beschäftigten in der Industrie tätig, sind es aktuell nur noch 19 Prozent. Der Beschäftigungsrückgang verläuft regional unterschiedlich, auch starke Standorte geraten zunehmend unter Druck.
Der Studie zufolge geht der Personalabbau nicht nur auf Entlassungen zurück, sondern vor allem darauf, dass freiwerdende Stellen nicht mehr neu besetzt werden. Seit 2019 geht demnach die Anzahl der Neueinstellungen im Vergleich zu den beendeten Arbeitsverhältnissen zurück. Wegen der unsicheren Aussichten am Standort Deutschland zögern die Unternehmen, als Ersatz für beendete Beschäftigungsverhältnisse wieder neue Leute einzustellen.
Bis vor wenigen Jahren war der hohe Anteil an Industriebeschäftigten nicht nur ein Wettbewerbsvorteil für die deutsche Wirtschaft, sondern auch ein Garant des Wohlstands in der Fläche und für breitere Bevölkerungsschichten. Jobs in der Industrie waren auch wegen der vielfach überdurchschnittlichen Bezahlung attraktiv und galten zudem als sicher.
Auch das geht offenkundig zu Ende. Gegenüber 2014 hat sich der Lohnvorteil in der Industrie im Vergleich zu anderen Branchen bei den Einstiegsgehältern auf nur noch rund zehn Prozent und bei den längerfristig Beschäftigten auf lediglich etwa acht Prozent halbiert.
Mit der Abwanderung der gutbezahlten Jobs ins Ausland verabschiedet sich auch der Wohlstand aus vielen Regionen. Dass zeitgleich die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Sektor massiv gewachsen ist, fängt das Problem nicht auf, sondern verschärft es: Was der Staat ausgibt, muss dort verdient werden, wo produktiv gewirtschaftet wird. Und dieser Sektor schrumpft seit Jahren.