Die Illusion, dass der Iran-Krieg für Deutschland keine Versorgungsengpässe mit sich bringen werde, scheint innerhalb der Bundesregierung einer realistischen Einschätzung zu weichen. Dies vor allem im Hinblick auf eine drohende Mangellage beim Flugbenzin Kerosin. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat nun doch zu einem Krisengipfel nach Berlin geladen.
Hintergrund: Anders als bei anderen Treibstoffsorten ist Europa beim Kerosin zu 50 Prozent von Lieferungen aus dem Persischen Golf abhängig – so auch Deutschland. Schon Mitte Mai könnte laut einer Warnung der Internationalen Energieagentur (IEA) das Flugbenzin in Europa knapp werden. Das könnte zu massiven Flugausfällen im dann beginnenden Sommerurlaubsverkehr führen.
In Branchenkreisen ist bereits von einer drohenden Kerosin-Rationierung die Rede. „Wir kommen möglicherweise in eine Situation, dass in Deutschland Kerosin zugeteilt werden muss, wie es in Italien bereits der Fall ist“, so Claus Wagner, Vorsitzender des Verbands der Air Cargo Abfertiger Deutschlands (VACAD). Das würde bedeuten: Luftfracht geht dann vor Reiseverkehr! Experten warnen vor einer „Kerosin-Triage“.
Die Kerosin-Vorräte in Deutschland reichen zwar für 40 Tage; allerdings soll eine Teilmenge davon bereits abgeflossen sein. Die letzten Kerosin-Tanker, die den Persischen Golf vor Beginn des Iran-Krieges verlassen haben, sind inzwischen eingetroffen. Von jetzt an leeren sich die Tanklager. Nach anfänglicher Gelassenheit betont inzwischen auch Wirtschaftsministerin Reiche, sie nehme die Sorgen unter anderm der Reiseveranstalter sehr ernst.
Die einzige auch in diesem Zusammenhang wirklich effektive Maßnahme wäre ein Ende endlich der aberwitzigen Russland-Sanktionen. Aber die Bundesregierung scheint andere Sorgen zu haben – nämlich wie man angesichts sich abzeichnender Engpässe noch genug Kerosin an die Ukraine liefern kann.