Es war eine kafkaeske Szenerie: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wirkte bei seinem Pressestatement zum historischen Wahldebakel in Sachsen-Anhalt nach der Sitzung des CDU-Bundesvorstandes um Jahre gealtert. Im Gegensatz zu früheren Auftritten, bei denen er oft versuchte, Gelassenheit oder Optimismus auszustrahlen, war ihm das Entsetzen darüber ins Gesicht geschrieben, dass seine Zeit abläuft – dass Wolfgang Schäuble wohl sagen würde: „S’isch over,Fitz!“
Merz – zusammengepresste schmale Lippen, die Augen müde und matt – räumte offen ein, dass seine eigene Person ein massives Dauerthema im negativ überlagerten Wahlkampf gewesen sei. Seine Körpersprache sagte mehr als alle Worte.
Zuvor, hinter verschlossenen Türen, sprach er laut Medienberichten von der „schwersten Wahlniederlage der CDU seit Jahrzehnten“, das Ergebnis erschüttere die Partei „bis in die Grundfesten“. Er erklärte, die Union könne nach diesem Ergebnis nicht einfach zur Tagesordnung übergehen – „auch ich nicht“.
Keine Blumen für Schulze
Merz hatte die reguläre Sitzung des CDU-Präsidiums am Vormittag kurzfristig verschoben. Zunächst gab es eine Art Krisensitzung vor der Krisensitzung. Der Kanzler trommelte mehrere einflussreiche CDU-Ministerpräsidenten in seinem Büro zusammen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. In den CDU-Gremien selbst herrschte dann laut Teilnehmern eine unterkühlte Stimmung.
Im Bundesvorstand wurde die Atmosphäre sogar als „extrem distanziert und belastet“ beschrieben. Für Noch-Ministerpräsident Sven Schulze gab es vor den Augen der Fotografen weder den sonst üblichen Dank noch Blumen.