Jüngstes Gerücht in Unionskreisen: Der immer stärker unter Druck kommende Bundeskanzler suche nach einem „Bauernopfer“, um sich für eine gewisse Zeit Luft zu verschaffen. Feuert Friedrich Merz seinen Regierungssprecher Stefan Kornelius, den Kritiker in der Union für eine „Schlaftablette auf zwei Beinen“ halten?
Der weithin unbekannte Sprecher der Bundesregierung steht aktuell ohnedies in der Kritik: Nach dem CDU-Inferno in Sachsen-Anhalt und historisch schlechten Beliebtheitswerten für Kanzler Merz hatte Kornelius öffentlich die Seriosität und die demoskopischen Grundlagen mehrerer Umfrageinstitute (u.a. Forsa) angezweifelt.
Kritiker in der Union bemängeln, dass der Printjournalist (Ex-Politikchef der Süddeutschen Zeitung) autistisch-distanziert wirke, statt die Kommunikation vor allem in den sozialen Medien proaktiv mit emotionalem Eifer zu befeuern.
Allerdings: Kornelius erfreut sich in der Bundespressekonferenz großer Beliebtheit. Bei der überwiegend linksgrün-woken Hauptstadt-Journaille komme seine „besonnene Art“ gut an, heißt es.
Merz hatte den früheren SZ-Journalisten ursprünglich angeheuert, weil dieser als „Experte“ in der Außen- und Sicherheitspolitik gilt und Merz zu Beginn seiner Amtszeit als der große „Außenkanzler“ glänzen wollte. Davon ist allerdings nicht viel mehr übriggeblieben als der „Ukraine-Kanzler“.
Auf der internationalen Bühne, vor allem in Washington, wird Merz inzwischen als eine „lame duck“ wahrgenommen. Der Kanzler gilt auch in europäischen Hauptstädten, Paris ausgenommen, als zunehmend isoliert.