Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei einer CDU-Wahlkampfveranstaltung indirekt eingeräumt, dass sich in der CDU zunehmend Widerstand gegen seinen Kurs einer praktisch bedingungslosen Ukraine-Unterstützung regt. Zugleich betonte Merz jedoch, diesen Weg „unter keinen Umständen“ aufgeben zu wollen.
Am Donnerstagabend (17.September) trat Merz erstmalig im Berliner Wahlkampf in Erscheinung. Sein Berliner Auftritt erfolgte allerdings wie zuvor schon bei den Landtagswahlkämpfen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nicht vor einem größeren Publikum, sondern quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Konrad-Adenauer-Haus. In der CDU-Bundesgeschäftsstelle waren Medienberichten zufolge rund 150 geladene Parteimitglieder anwesend.
Merz bekannte sich erneut zur Unterstützung des Selenskyj-Regimes in Kiew. Er sagte: „Wer heute meint, die Ukraine in ihrem Kampf um die Freiheit aufzugeben, der hat morgen die Freiheit in ganz Europa aufgegeben, meine Damen und Herren! Und diesen Weg, diesen Weg, den werde ich unter keinen Umständen gehen! Den mag gehen, wer will! Aber ich gehe ihn nicht!“
Diese Aussage brachte Merz donnernden Applaus der handverlesenen CDU-Claqueure ein. Auffallend war laut Teilnehmern, dass der Noch-CDU-Chef seine neuerliche Solidaritätsadresse an die Ukraine sozusagen durch die Blume an innerparteiliche Kritiker adressierte.
Offenbar regt sich in der CDU zunehmend Widerstand gegen den Kurs des Kanzlers im Ukraine-Konflikt, so dass sich Merz genötigt sah, das heikle Thema anzusprechen. Namen innerparteilicher Kritiker nannte er dabei nicht. Zweifellos dürfte aber vor allem Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer gemeint gewesen sein. Kretschmer hatte laut dpa während einer Fragestunde im Dresdner Landtag die von der Bundesregierung verhängten Sanktionen gegen russische Einrichtungen in Deutschland scharf kritisiert und betont, die Schließung von Konsulaten und Kultureinrichtungen sei nicht der richtige Weg. Der sächsische Ministerpräsident hatte sich zuletzt immer wieder dafür ausgesprochen, den Handel mit Russland, vor allem im Energiesektor, nach einem Ende der Kampfhandlungen wieder aufzunehmen.