Der Unmut über die von der Bundesregierung geplante Verschärfung der Regeln zur Krankschreibung (ärztliches Attest schon ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit) wird immer größer. Jetzt bekommen die ersten Politiker von Union und SPD kalte Füße.
So plädiert etwa der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels (CDA), Dennis Radtke, dafür, diese Pläne noch einmal zu überdenken. Dem „Spiegel“ sagte er, der politische Streitwert scheine in keinem gesunden Verhältnis zu den vermeintlichen Verbesserungen zu stehen. Das angeblich „gute Gesamtpaket“ der Chaos-Koalition leide nun unter der Debatte über die Krankschreibung ab dem ersten Arbeitstag.
Auch die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) äußerte sich skeptisch zu den Plänen. Vor allem die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, bringe nur zusätzliche Bürokratie, sagte sie dem Radiosender „Antenne Bayern“. Nur rund ein Prozent der Krankschreibungen würden telefonisch erfolgen.
Die CSU-Politikerin kritisierte ebenfalls die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag. Es brauche ein Konzept „mit Maß und Ziel“, das die Praxen nicht überfordere. Gerlach betonte: „Zukünftig kommt ohnehin mehr auf die Hausärzte zu, dort werden mehr Leute einen Termin benötigen. Jetzt ein System noch aufzubürden, das noch mehr Wandel in die Praxen bringt und noch mehr Patientinnen und Patienten, halte ich für falsch.“
Selbst der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze (SPD) sieht die Pläne der Koalition kritisch. Das Aufsuchen einer Arztpraxis sei bei vielen Krankheitsbildern eine unnötige Belastung für alle und erhöhe die Ansteckungsgefahr, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.