In der CSU ist ein offener Machtkampf entbrannt! Parteivize und EVP-Chef Manfred Weber geht auf den CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder los – freilich, ohne diesen beim Namen zu nennen. Doch gegen wen sich die Attacken richten, ist unverkennbar. In einem fünfseitigen Brief an die CSU-Mitglieder hält Weber mit Kritik und verbalen Breitseiten gegen den Parteichef nicht zurück, berichtet der „Münchner Merkur“.
„Es waren die besten Jahre für die CSU, als wir nicht dem Zeitgeist gefolgt sind, sondern unseren Überzeugungen“, stichelt Weber, der Söder in Sachen Opportunismus in nichts nachsteht. Die CSU müsse „das Gemeinwohl wieder visionär ins Zentrum unserer Politik rücken“, heißt es in dem Brief weiter. Dann eine volle, kaum verklausulierte Breitseite gegen Söder: „Dieses Gemeinschaftsgefühl werde ich aber weder mit Schlagzeilen noch mit Klickzahlen, sondern nur mit Kreativität, Mut und Ideen erreichen.“
Ausgerechnet der windschnittige EU-Karrierist Weber beruft sich dabei auf „das Erbe von Franz Josef Strauß“. Die Reden der CSU-Legende, führt Weber in seinem Brief weiter aus, „waren alles andere als Folklore, waren keine Show, waren streckenweise nicht mal unterhaltsam. Er mutete seiner Partei einiges an politisch schwerer Kost zu. Sind wir heute dazu auch noch bereit?“
Es möge schwer sein, dies in einer Social-Media-Welt zu vermitteln. „Aber Ideen und überzeugende Persönlichkeiten bleiben die Essenz von Politik und vor allem der Volkspartei CSU“, schreibt Weber weiter und nimmt dann Bezug auf eines der zentralen Projekte Söders: Es reiche nicht, allein eine Hightech-Agenda 2.0 aufzulegen: „Wir brauchen eine Debatte über unsere Kultur. Mit der Kernfrage: Was hält uns heute zusammen?“
Seit dem CSU-Parteitag im Dezember gilt der Brüsseler EVP-Chef als gefährlicher innerparteilicher Rivale Söders, neben Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Söder erhielt bei seiner Wiederwahl als CSU-Chef mit 83,6 Prozent der Stimmen einen deutlichen Denkzettel. Weber wurde mit fast 94 Prozent als CSU-Vize bestätigt. Seither gilt Söder als angezählt.