Zwei Wochen nach dem blauen Beben in Sachsen-Anhalt ist die AfD im dritten ostdeutschen Bundesland zur stärksten politischen Kraft aufgestiegen. Die CDU erlebt ein historisches Fiasko: In Mecklenburg-Vorpommern stand sie am späten Abend am Abgrund der Fünf-Prozent-Hürde. In das Rote Rathaus von Berlin dürfte erstmals eine Kommunistin als Regierende Bürgermeisterin einziehen.
Die CDU in Schockstarre: Nach den letzten Hochrechnungen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zitterten sich die Christdemokraten am späten Sonntagabend hauchdünn an der Fünf-Prozent-Hürde entlang. Ob die CDU aus dem Schweriner Landtag fliegen würde, zum ersten Mal aus einem Parlament überhaupt, stand zunächst nicht endgültig fest. ARD und ZDF sahen die Christdemokraten in ihren Hochrechnungen bei einer dramatischen Punktlandung von 5,0 Prozent. Es wurde mit einem Wahlkrimi bis spät in die Nacht oder sogar bis zum frühen Morgen gerechnet.
Die AfD lag den Hochrechnungen zufolge mit über 37 Prozent vorn, gefolgt von der SPD mit rund 35 Prozent.
Klar ist: Die rot-rote Landesregierung von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat keine Mehrheit mehr. AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm sieht den Regierungsauftrag bei seiner Partei. Da aber niemand mit der AfD koalieren will, läuft es in Schwerin voraussichtlich auf ein rot-„grün“-rotes Dreierbündnis unter Führung der SPD hinaus.
Berlin-Wahl
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus (Landesparlament) ist Die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp die klare Wahlsiegerin. Die Kommunisten verzeichnen historische Gewinne. Die bisherige schwarz-rote Koalition verliert ihre Mehrheit deutlich. Die SPD stürzt massiv ab.
In der Hauptstadt zeichnete sich folgendes Ergebnis ab:
Die Linke wird mit über 25 Prozent stärkste Kraft. Die CDU (19,1 Prozent) landet abgeschlagen auf Platz 2. Die AfD holt starke 16,2 Prozent, auch wenn sich viele mehr erhofft hatten.
Am Abend sah alles danach aus, dass in der Hauptstadt künftig ein rot-„grün“-rotes Bündnis mit der SPD als Juniorpartner regieren wird.
Merz spricht von „Desaster“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat das Ergebnis bei der Wahl zum Schweriner Landtag als „Desaster“ bezeichnet. „Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern können wir nicht schönreden, es ist ein Desaster“, sagte er nach Bekanntgabe der ersten Prognosen im Konrad-Adenauer-Haus, der Berliner CDU-Bundeszentrale. Die Antwort darauf könne kein Zurück in die „gute alte Zeit“ sein. Er wolle, dass Deutschland wieder ein „Land des Aufbruchs“ wird. Dafür seien Veränderungen notwendig. „Veränderungen brauchen Kraft“, sagte Merz und schloss einen Rücktritt aus.