Der sächsische CDU-Landesschatzmeister Matthias Grahl ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. In seinem Rücktrittsschreiben übt er scharfe Kritik am Kurs der Landespartei unter Ministerpräsident Michael Kretschmer: „Ich erkenne keinen Willen zur Kurskorrektur.“
In seinem Rücktrittsschreiben begründet der 56 Jahre alte Kommunalpolitiker und Metallbau-Unternehmer seinen Schritt mit einer tiefen Entfremdung zwischen Parteispitze, Wirtschaft und Basis. Grahl kritisiert insbesondere die Zusammenarbeit der sächsischen CDU mit den „Grünen“ und der Linkspartei unter anderem beim Landeshaushalt. Aus seiner Sicht ignoriere die Partei damit den klaren Wählerwillen nach einer politischen Veränderung.
Grahl war fast neun Jahre für die Finanzen des Landesverbandes verantwortlich. Hauptberuflich ist er Geschäftsführer einer Metallbaufirma, zudem führt er die CDU-Fraktion im Kreistag Bautzen. Diese Doppelrolle zieht sich durch sein Rücktrittsschreiben: Er habe sich im Landesvorstand und im Präsidium „immer als Vertreter der Basis“ verstanden, der Menschen, „die durch Wertschöpfung den Wohlstand dieses Landes erarbeiten und nicht beruflich politisch tätig sind“.
Verbittert stellt Grahl fest: Er habe stets versucht, „mit Nachdruck die Kritikpunkte vorzutragen, die sich zwangsläufig aus der aktuellen Landes- und Bundespolitik ergeben“. Dort aber komme es „leider bis heute zu keinen substanziellen Änderungen der fehlgesteuerten Wirtschafts-, Sozial-, Migrations- und Energiepolitik“.