Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat sein Treffen mit seinem deutschen Amtskollegen Johann Wadephul am Rande der UN-Vollversammlung in New York zurückhaltend bewertet. Er sehe darin den Versuch der Bundesregierung, den Anschluss an diplomatische Entwicklungen rund um den Ukraine-Konflikt nicht zu verlieren, sagte Lawrow beim 23. Jahrestreffen des Waldai-Klubs. Die viertägige Konferenz, zu der auch Kreml-Chef Wladimir Putin erwartet wurde, findet derzeit in der waldigen Idylle nahe dem Istra-Stausee nordwestlich von Moskau statt.
Der Waldai-Klub (russisch Valdai Discussion Club) ist eine von Russland initiierte, hochrangige internationale Diskussionsplattform und Denkfabrik (Think Tank) und gilt als das wichtigste außenpolitische Forum Moskaus. Der Klub verdankt seinen Namen dem Waldaisee in Nordwestrussland, weil dort im Jahr 2004 das Gründungstreffen ausgerichtet worden war.
Das Treffen mit Wadephul sieht Lawrow eher kritisch. Er warf europäischen Staaten erneut vor, mit ihrer Unterstützung der Ukraine zur Konfrontation mit Russland beizutragen. Zugleich kündigte Russlands Chefdiplomat weitere Gespräche zwischen russischen und amerikanischen Vertretern an.
AfD begrüßt Treffen in New York
Ungeachtet der Skepsis auf russischer Seite begrüßte die AfD, dass die Außenminister Deutschlands und Russlands erstmals seit Ausbruch des Ukraine-Krieges wieder miteinander gesprochen haben. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Gerold Otten, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, lobte, „dass nach Jahren ohne direkte Gespräche wieder ein Dialog zwischen den Außenministern stattgefunden hat“. Diplomatie bedeute nicht, Differenzen auszublenden, sondern bedeute vielmehr, Gesprächskanäle gerade in Zeiten von Konflikten offenzuhalten und Möglichkeiten zur Deeskalation auszuloten, betonte der AfD-Politiker.
Otten sagte weiter, umso unverständlicher sei die Kritik des CDU-Kriegstreibers Roderich Kiesewetter, der meinte, vor einem deutschen „Sonderweg“ warnen zu müssen. „Wer bereits ein Gespräch zwischen Außenministern als problematisch betrachtet, verkennt den Sinn von Diplomatie. Deutschland muss eigene diplomatische Initiativen entwickeln und mit allen Konfliktparteien im Gespräch bleiben“, forderte der AfD-Außenexperte.