Das überraschende Treffen zwischen Russlands Außenminister Sergej Lawrow und Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Rande der UN-Generalversammlung hat eine kontroverse Debatte ausgelöst.
Die Begegnung in New York mit einem kurzen Händedruck beider Außenminister war das erste bilaterale Treffen beider Länder seit Ausbruch des Ukraine-Krieges im Februar 2022.
Die AfD warnt vor zu hohen Erwartungen. Der AfD-Bundestagsabgeordnete und Russland-Experte Rainer Rothfuß vermutet auf deutscher Seite vor allem innenpolitische Motive und sprach von „Fassadendiplomatie“. Die CDU wolle angesichts der wachsenden Unterstützung für die AfD den Eindruck vermitteln, selbst wieder stärker auf Diplomatie gegenüber Russland zu setzen. Rothfuß bezweifelt den aufrichtigen Willen der Bundesregierung zu einer diplomatischen Wiederannäherung an Moskau.
Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter, einer der treibenden Scharfmacher in der schwarz-roten Koalition beim Konfrontationskurs gegenüber Moskau, kritisierte die Begegnung prompt scharf. Dadurch, dass sich beide Außenminister kurz die Hand gaben, entstehe fälschlicherweise der Eindruck eines „deutschen Sonderwegs“ über die Köpfe der Ukraine hinweg. Ein Telefonat hätte nach Ansicht Kiesewetters gereicht.
Vertreter von SPD und „Grünen“ begrüßten das Treffen dagegen als einen notwendigen ersten Schritt. Wadephul selbst hat die Begegnung am Rande der UN-Generalversammlung mit der Notwendigkeit direkter Gesprächskanäle begründet.