Am 6. Mai vor einem Jahr leistete Kanzler-Versager Friedrich Merz (CDU) seinen Amtseid. Ein Jahr später ist seine schwarz-rote Chaos-Koalition heillos zerstritten. Auch die Mainstream-Presse glaubt nicht mehr an ihn, wie ein Blick in die morgendliche Presseschau des Deutschlandfunks zeigt.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) bilanziert: „Zum Jahrestag der Koalition erlebt das Land einen fast schon desillusioniert wirkenden Kanzler, der flehentlich an den Koalitionspartner appelliert, die notwendigen Reformen jetzt auch wirklich anzugehen. Ob das nun die Wende bringt, daran lassen die ersten Äußerungen aus der Sozialdemokratie zweifeln. Es ist der Koalition ganz offenkundig noch nicht gelungen, sich auf eine gemeinsame Bewertung der Realität zu verständigen.“
Der Berliner TAGESSPIEGEL geht auf den Auftritt des Kanzlers im ARD-Talk mit Caren Miosga ein und analysiert: „Wenn der Kanzler seinem Vize Klingbeil öffentlich erklärt, was ‚nicht geht‘, verschiebt er den Verhandlungstisch ins Schaufenster. Das hilft vielleicht in den eigenen Reihen, aber es verengt die Möglichkeiten des Partners, auf ihn einzugehen. Und die SPD ist, bei aller Schwäche, nicht bloß Statistin.“
„Statt die Bereitschaft zum Kompromiss zu stärken, wird Merz die Gegenwehr der Sozialdemokraten weiter anstacheln“, glaubt denn auch die linke TAZ und prognostiziert: „Das wird wiederum eine weitere Gegenwehr in den eigenen Reihen nach sich ziehen. Eine Eskalationsspirale, die gefährlich ist. Denn wer so regiert, endet wie die Ampel.“
Der MÜNCHNER MERKUR schreibt: „Aber die Sätze, die dieser Tage durchs politische Berlin hallen, klingen bereits wie Abgesänge auf die Koalition und den Kanzler. ‚Menschenverachtend‘ nennt SPD-Chefin Bas die Politik der CDU. Ihr Fraktionschef Miersch stellt gar die Eignung von Merz infrage: Seine Impulsivität sei ein ‚Riesenproblem‘. So könne man ‚kein Kanzleramt führen‘. Nun gehören rüde Attacken der Genossen leider zum schlechten Ton in dieser Koalition. Gefährlich wird die Sache für Merz allerdings dadurch, dass die Spitze der Union die kommunikativen Fehlleistungen des Kanzlers inzwischen fast genauso kritisch sieht wie die SPD.“
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG geht auf die Aussage der Kanzlers ein, er habe nicht vor, die CDU „umzubringen“: „Die Unzufriedenheit in der CDU ist groß, weil die Ziele, die sich die Partei gesteckt hat, mit der SPD nicht zu erreichen sind. Merz griff zu einem drastischen Bild, das die Erfahrungen der Partei nach 16 Jahren Merkel aber ganz gut wiedergab: Zu viel Selbstverleugnung heißt, die Partei ‚umzubringen‘. Es wäre allerdings naiv zu glauben, dass der Koalitionspartner der Union nun ein Einsehen haben könnte und umsteuert.“