Der deutsche Politologe Axel Schmidt-Gödelitz hat an die Ostpolitik unter dem früheren SPD-Kanzler Willy Brandt erinnert und eine Rückkehr zum Dialog mit Russland gefordert. Namentlich nahm er in einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“ Bezug auf den 2015 verstorbenen SPD-Politiker Egon Bahr, der unter Brandt Chef des Bonner Kanzleramts war und bis heute als Architekt der Entspannungspolitik Anfang der siebziger Jahre gilt.
Schmidt-Gödelitz, der als Referent an der Ständigen Bonner Vertretung in der DDR tätig war, wählte für seinen Artikel die Überschrift: „Ukraine-Krieg: Warum Egon Bahr das Gespräch mit Wladimir Putin gesucht hätte“.
Der Autor bewertet den Ausbruch des Ukraine-Kriegs als „Resultat politischer Fehlentscheidungen“, auch deutscher Verantwortlicher, und setzt dem die Politik Egon Bahrs in den 1970er Jahren entgegen. Dessen Denken habe auf klaren Voraussetzungen friedensfähiger Politik beruht, die der Autor wie folgt aufzählt:
„Erstens der Fähigkeit zum Perspektivwechsel, zweitens der systematischen Einbeziehung der Interessen des Gegenübers, drittens der Kenntnis seiner historischen Erfahrungen, viertens der Berücksichtigung kultureller und emotionaler Faktoren sowie fünftens dem Aufbau überprüfbarer vertrauensbildender Maßnahmen.“
Diese Prinzipien zur politischen Konfliktsteuerung seien heute in Vergessenheit geraten, schreibt Schmidt-Gödelitz, der das Ost-West-Forum auf Gut Gödelitz im sächsischen Döbeln maßgeblich geprägt hat.