Brasilien steuert auf eine Zerreißprobe zu: Der linke Amtsinhaber Lula da Silva wurde nach offiziellen Angaben der Wahlbehörde für eine weitere Amtszeit als Staatschef bestätigt – obwohl er in den letzten Umfragen deutlich zurückgelegen hatte. Er setzte sich in einer hoch umstrittenen Stichwahl gegen den konservativ-patriotischen Herausforderer Flávio Bolsonaro durch.
Das rechte Lager weigert sich, das Wahlergebnis aufgrund fragwürdiger behördlicher Eingriffe anzuerkennen und spricht von Wahlbetrug.
Nach Angaben des Obersten Wahlgerichts soll der 81-jährige Lula auf 51,8 Prozent der Stimmen gekommen sein, während Flávio Bolsonaro – Sohn des vom Establishment juristisch verfolgten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro – offiziell bei 48,2 Prozent landete. Angeblich habe eine plötzlich „unerwartet hohe Wahlbeteiligung“ den Ausschlag für den Linkskandidaten gegeben.
Bolsonaro forderte eine Annullierung wegen willkürlicher Wahlzeitverlängerung: „Es ist unmöglich, dieses Ergebnis anzuerkennen. Ich werde die Annullierung dieser Wahlen beantragen.“
Wählen bis das Ergebnis stimmt?
Hintergrund: Die Wahlbehörden hatten kurzfristig entschieden, die Wahllokale landesweit zwei Stunden länger geöffnet zu lassen. Zwar hatten beide Seiten aufgrund von Verkehrs- und Wetterproblemen punktuelle Anpassungen gefordert, doch Bolsonaros Lager hatte gezielte Verlängerungen nur für Regionen haben wollen, die unter extremen Unwettern und Stromausfällen litten. Dadurch, dass die Behörden das Fenster nun flächendeckend verschoben haben, vermutet die Rechte eine gezielte Wähler-Beeinflussung in den Abendstunden.
Flávio Bolsonaro war für das patriotische Lager ins Rennen gegangen, weil sein Vater Jair Bolsonaro wegen eines angeblichen „Umsturzversuchs“ zu über 27 Jahren Haft verurteilt wurde und derzeit unter Hausarrest steht – ein Vorgehen der brasilianischen Justiz, hinter dem Kritiker eine politisch motivierte Ausschaltung der Opposition sehen.