Auch die Mainstream-Medien kommen am Leihmutter-Skandal um Jens Spahn (CDU) und dessen in den USA gekauftes Kind nicht vorbei. Der Tenor in der Presseschau des Deutschlandfunks (Dlf): Das ist pure Doppelmoral!
Für die VOLKSSTIMME aus Magdeburg drängt sich deshalb die Frage auf, „ob Jens Spahn hinsichtlich seines moralischen Kompasses für höchste Staatsämter geeignet ist, auf die er ja hinarbeitet. Wohl eher nicht“, kommentiert die Zeitung unter Anspielung auf die Kanzlerambitionen des Unionsfraktionschefs.
Ähnlich sieht es der MÜNCHNER MERKUR: „Spahns Ego-Tour richtet schweren Schaden an, kostet Glaubwürdigkeit, zerstört Vertrauen: darauf, dass es im Land gerecht zugeht, es kein Sonderrecht für Reiche und Mächtige gibt. Und darauf, dass Wähler sich auf das verlassen können, was ihnen die Politik verspricht (…) Jens Spahn hat sich seinen Traum vom Vatersein erfüllt. Den Traum von der Kanzlerschaft muss er dafür aber wohl beerdigen.“
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN stimmen zu: „Spahns Verhalten stößt vielen zu Recht sauer auf. Er hat damit sich selbst und seiner Partei keinen Gefallen getan. Als möglicher Bundeskanzler dürfte er der Öffentlichkeit trotz seiner Machtposition als Fraktionschef immer weniger zu vermitteln sein.“
Auch die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG geht auf Distanz: „Wenn sich Jens Spahn auf die Position zurückziehen sollte, es handele sich um eine reine Privatangelegenheit, dass er seinen Kinderwunsch mithilfe einer Leihmutter erfüllt, stellt er sich als das dar, was er sicher nicht ist: als naiv.“
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus weist auf einen anderen Aspekt hin: „Mit seinem Handeln trägt der Unionsfraktionschef dazu bei, dass die Verdrossenheit gegenüber der Politik zunimmt und sich ein Gefühl von ‚denen da oben‘ weiter etabliert.“
In der ZEIT heißt es u.a.: „Spahn hat sich scheinheilig verhalten, indem er mit seinem Partner die Hilfe einer Leihmutter in Anspruch genommen hat, um ein Baby zu bekommen, obwohl er als CDU-Politiker die Leihmutterschaft ablehnt. Und ja, das ist für einen selbsttitulierten Konservativen besonders armselig (…) Vielleicht kostet ihn am Ende der Kinderwunsch die Karriere.“