Ein unverkrampftes Foto des Magdeburger CDU-Fraktionschefs Guido Heuer und des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund sorgt elf Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für Altparteien-Schnappatmung. Während Brandmauer-Hysteriker darin eine problematische Annäherung zwischen CDU und AfD zu erkennen glauben, weisen beide Seiten entsprechende Interpretationen zurück.
Das Foto sorgt jedenfalls für Spekulationen. Es zeigt CDU-Fraktionschef Guido Heuer und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in einer lockeren Atmosphäre. Aufgenommen wurde es bei einer Veranstaltung des Landesverbands der FDP-nahen Vereinigung Liberaler Mittelstand am Donnerstag, 11. Juni, in Halberstadt. Zu dieser waren führende Landespolitiker aller Landtagsparteien sowie das BSW eingeladen. Veröffentlicht hat das Foto die „Ostdeutsche Allgemeine Zeitung“.
„Grüne“ wittern Verbrüderung
„Grünen“-Chef Felix Banaszak sieht in der Aufnahme gar einen Beweis für Distanzlosigkeit zwischen CDU und AfD in Sachsen-Anhalt. Der „Frankfurter Rundschau“ sagte er: „Es zeigt, wie eng die Beziehung zwischen dem CDU-Fraktionschef und dem AfD-Spitzenkandidaten offenbar bereits ist.“ Die Vizechefin der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Clara Bünger, sagte dem „SPIEGEL“, die Aufnahmen seien „kein Versehen“. Diese Form des Posierens mache Abgrenzungsschwüre der CDU gegenüber der AfD unglaubwürdig.
Tatsächlich zeugt eine kurze Videoaufnahme von der Veranstaltung von einer wenig konfrontativen Atmosphäre. Auf dem Podium entwickelte sich auf eine Frage an Siegmund hin sogar ein scherzhafter Dialog zwischen ihm und Heuer. Siegmund äußerte mit Blick auf dessen Vorrede, man könne „irgendwie meinen, dass ihr noch nie was mit der Regierung zu tun hattet, wenn ich so zuhöre“. Heuer erwiderte zunächst knapp mit „Nee“ und griff daraufhin nach dem Mikrofon, wobei er die Hand auf Siegmunds Schulter legte und sagte: „Ich saß noch nie im Bundestag.“
Ein nicht funktionierendes Mikrofon bezeichnete Heuer selbstironisch als „Altparteien-Telefon“. Siegmund griff die Bemerkung auf und scherzte, dort wäre „vielleicht der Verfassungsschutz direkt mit drinne“.
Ungeachtet der unverkrampften Szenen aus Halberstadt scheint allerdings wenig auf eine inhaltliche Annäherung zwischen Heuer und Siegmund bzw. der AfD und der CDU in Sachsen-Anhalt hinzudeuten. Ulrich Siegmund stellte klar: Man könne das Land nicht mit denen retten, die es kaputtgewirtschaftet hätten. Deshalb gelte mit Blick auf die Landtagswahl am 6. September: „45 Prozent plus X!“
Wie wär’s, wenn man Politik einfach nur einmal auch menschlich sieht?