In Baden-Württemberg fast aus dem Landtag geflogen, in Rheinland-Pfalz nach 35 Jahren den Ministerpräsidenten verloren, in München nach 12 Jahren nicht mehr Oberbürgermeister: In der SPD ist nach der Serie von Wahlpleiten eine offene Führungsdiskussion mit noch unabsehbaren Folgen für die schwarz-rote Chaos-Koalition ausgebrochen. Die ersten Genossen stellen die Parteispitze in Frage. Der Co-Bundesvorsitzende Lars Klingbeil sagte, man wolle sich der Diskussion stellen.
Klingbeil räumte ein, er trage auch Verantwortung für das Ergebnis in Rheinland-Pfalz und wisse, dass es Personaldebatten geben werde. Auch die SPD-Co-Vorsitzende Bärbel Bas gestand eine Mitverantwortung der Bundespartei für die Wahlniederlage ein.
Derweil traten in Berlin die SPD-Führungsgremien im Krisen-Modus zusammen. Beide SPD-Chefs wollten sich noch im Tagesverlauf zur aufkeimenden Führungsdiskussion äußern.
Der scheidende rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer übte deutliche Kritik an der Bundespartei. Er sagte der in Ludwigshafen erscheinenden „Rheinpfalz“, die Bundes-SPD habe ihm keinen Rückenwind gegeben. „Es war, als würde ich einen Sprint gegen den Berg laufen.“ Angesichts dessen sei seine Partei „noch weit gekommen“, fügte er verbittert hinzu.
„Wir sind nicht mehr die Partei der Arbeitnehmer“
Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, die zugleich stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende ist, stellte von hinten durch die Brust die Führungsfrage: Personelle Konsequenzen seien „nicht zwingend“, sagte sie dialektisch. Es sei aber deutlich geworden, dass die SPD nicht mehr als das gesehen werde, was sie immer gewesen sei, nämlich die Partei der Arbeitnehmer.
Der Genosse Bundesverteidigungsminister sah sich bereits veranlasst, Rufe nach einem kompletten Wechsel der SPD-Parteispitze zurückzuweisen. Weder in der Partei, noch in der Koalition benötige man nun eine Personaldiskussion, sagte Boris Pistorius der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und betonte: „Das wäre unverantwortlich und ich stehe dafür nicht zur Verfügung.“
Unter anderm die niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf, frühere Lebensgefährtin von Pistorius, hatte nach dem SPD-Debakel in Rheinland-Pfalz einen kompletten Wechsel an der Spitze ihrer Partei gefordert.