Neues aus dem Clownsland: Philipp „Strandkorb“ Amthor: Wenn der Kanzleramtsfuchs dem Kanzlerklatschhasen gute Nacht sagt

Einen wie Philipp Amthor müsste man erfinden, wenn es ihn nicht schon gäbe. Die altkluge Phrasendreschmaschine aus Meck-Pomm mit der altmodischen Brille und der miserablen Körperhaltung ist das wandelnde Meme für die Abgehobenheit und den Niedergang der CDU. Die vorläufige Krönung von Amthors Karriere als gespielter CDU-Witz war der Strandkorb, den er sich auf seiner spielplatzgroßen persönlichen Dachterrasse im Kanzleramt hatte aufstellen lassen.

Gut sichtbar von seinem Büro, das seinerseits die Fläche eines mittleren Supermarkts einnimmt, prangte das edle Stück. Feinste Manufakturware von der Ostseeküste, kostet in etwa so viel, wie eine Verkäuferin im Monat nach Hause bringt. Da zeigt einer gerne, dass er es geschafft hat. Nicht ohne hastig hinzuzufügen, dass er ja eigentlich sowieso keine Zeit habe, um sich mal auszuruhen.

Loriot hätte sich diese Karikatur eines Karrierepolitikers nicht treffender ausdenken können. Wie er da stolzgeschwellt im feinen Zwirn durch die endlosen Betonschluchten des Kanzleramts paradiert, von seinem „Karrieresprung“ schwärmt und was für ein toller Hecht man dafür doch sein müsse, um so ein Büro direkt unter dem des Kanzlers zu bekommen – das ist Realsatire vom Erlesensten. Das ZDF musste für seine Doku „Inside CDU“ nur mit der Kamera draufhalten, die Demontage besorgte Merzens Märchenprinz dann schon selbst und ganz allein.

Seit Philipp Amthor 2017 mit gerade mal 24 Jahren sein ersehntes Bundestagsmandat ergatterte, machen sich Medien und Öffentlichkeit lustig über den „jüngsten ältesten Abgeordneten“, der mit wichtiger Miene zu allen möglichen Themen wohltönende Platitüden absondern konnte, als wäre er schon seit Jahrzehnten im Geschäft.

Dabei stolpert er zwar von einer Affäre zum nächsten Fettnapf. Frisch im Parlament machte er mit plumpem Lobbyismus für eine New Yorker IT-Firma Schlagzeilen, bei der er Aufsichtsratsmandat und großzügige Aktienoptionen hielt und die er auf Bundestags-Briefpapier dem damaligen Wirtschaftsminister, dem „lieben Peter“ Altmaier, wärmstens ans Herz legte. Aktuell erheitert er die Netzgemeinde mit peinlichen Videos als Dönerverkäufer im spektakulär gescheiterten Fischbrötchen-Wahlkampf um den Schweriner Landtag, aus dem die CDU dann achtkantig herausflog.

Dem Aufstieg des Philipp Amthor ins gepriesene „Zentrum der Macht“ hat das alles keinen Abbruch getan. Er weiß nämlich ganz genau, wann und vor wem er buckeln muss und wo er austeilen und nachtreten soll. So wurde aus „Muttis Klügstem“ im Handumdrehen der treueste Hofnarr des Friedrich Merz, der seinen Herrn und Meister auch dann noch nach Meck-Pomm einlädt, wenn die Wahlkämpfer am liebsten einen Bogen um ihn machen würden, und der jede noch so missglückte Rede des Pannenkanzlers unermüdlich wie ein Duracell-Hase mit Dauerklatschen feiert.

Einen wie Amthor kann die CDU als Volkspartei im Endstadium nämlich ganz gut gebrauchen. Der Musterschüler der Parteizerstörer Merkel & Merz macht sich das mit angeborenem Strebereifer zielstrebig zunutze. Er geht in die Talkshows, wenn keiner mehr Lust dazu hat, und schwätzt mit seinem unerschöpflichen Phrasenfundus auch noch die verheerendste Wahlniederlage schön.

Im Bundestag redet er über alles und jeden – „ich gehöre zu den Vielrednern“, verkündete er nach seiner ersten Wahlperiode stolzgeschwellt. Und weil er weiß, dass das gut bei seinen Gönnern ankommt, zieht er besonders eifrig über die Konkurrenz von der AfD her. Den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke pöbelt er als „dünnbrettbohrenden Schwachkopf“ an, und den Wahlsieger von Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund, der im Gegensatz zu ihm immerhin schon mal eine eigene Existenz jenseits der steuergeldfinanzierten Polit-Blasen aufgebaut hatte, tut er als „Duftkerzenverkäufer“ ab.

Mit dieser prätentiös zelebrierten Verachtung für normale Bürger mit richtigen Berufen hält Philipp Amthor sich wahrscheinlich auch noch für „volksnah“. Nach verlorenen Wahlen salbadert er wie der verschrobene Pauker aus einem alten Schwarz-Weiß-Film, schmeißt mit Angeberbegriffen wie „Disruptionsfuror“ um sich und redet über die Wähler wie über unmündige Kinder oder Patienten, denen er jetzt noch mal geduldig erklären muss, wie großartig die CDU und vor allem ihr Kanzler doch eigentlich seien.

Während er so die letzten Unionswähler vertreibt, geht es für ihn selbst immer weiter nach oben. Friedrich Merz weiß, was er an seinem treuen Klatschhasen hat. Im CDU-Bundesvorstand ist Amthor – kein Witz – „Mitgliederbeauftragter“, im Kabinett Merz war er zuerst Parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium und wurde im Zuge der Kabinettsumbildung zum „Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit“ im Bundeskanzleramt befördert, gleich zu Füßen des Kanzlers.

Sollte der seine Drohung wahrmachen und den Bundeszwang über Sachsen-Anhalt verhängen, weil die Bürger dort die falsche Regierung gewählt haben, dann dürfte Amthor qua Stellung auch noch Bundeskommissar für die Zwangsverwaltung des unbotmäßigen Bundeslandes werden. Im CDU-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, den er vor seiner Berufung ins Bundeskabinett als Generalsekretär mit zugrunde gerichtet hat, wurde er nach dem Wahldebakel zum kommissarischen Landesvorsitzenden und „Hoffnungsträger“ ernannt.

Kurz vor Sonnenuntergang werfen eben auch die Zwerge lange Schatten. Je tiefer die CDU abstürzt, desto höher steigt Philipp Amthor. Nur das mit dem Strandkorb, das war einen Tick zuviel. Den musste er doch wieder nach Mecklenburg-Vorpommern zurückschicken. Dabei hatte er mit dem noblen Teil doch nur seine ganz spezielle Heimatverbundenheit demonstrieren wollen.

Jetzt muss Philipp Amthor also abends wieder alleine am Geländer seiner weitläufigen Dachterrasse stehen, wenn er einsam telefoniert und dabei dem Kanzleramtsfuchs zuschaut, wie er durch den Kanzleramtsgarten schnürt. Der bleibt nämlich, auch wenn der Strandkorb weg ist. Er wird auch noch da sein, wenn Friedrich Merz sich nicht mehr länger an sein Amt krallen kann und Philipp Amthor als letzter das Licht im Kanzleramt ausmacht. Und ganz zum Schluss sagt dann der Kanzleramtsfuchs dem Kanzlerklatschhasen gute Nacht.

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