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Björn Höcke vs. Mario Voigt – ein historisches Duell in der TV-Arena

Björn Höcke kennt jeder, aber wer ist eigentlich Mario Voigt? Bis vor kurzem hätte das selbst in Thüringen noch kaum jemand beantworten können, jetzt weiß die ganze Republik: Mario Voigt ist der Thüringer CDU-Vorsitzende, der gedacht hatte, sich in einem Fernsehduell mit dem Chef der stärksten Partei im Land messen zu können, der Björn Höcke aber weder rhetorisch noch intellektuell das Wasser reichen konnte.

Die Bühne, die ihm von Welt TV und Björn Höcke geboten wurde, war dem CDU-Mann offenkundig zu groß. Mario Voigt ist eher der Mann fürs Klein-Klein: Das Mett auf dem Brötchen heiße in Thüringen „Gehacktes“, belehrt er bräsig grinsend. Mit solchen Sperenzchen lässt Voigt den eingeborenen Thüringer heraushängen, weil ihm seine Berater gesagt haben, das solle er als Alleinstellungsmerkmal betonen. Gleichzeitig beschwört er bei jeder Gelegenheit, wie sehr man auf Einwanderung und Fachkräftezuzug angewiesen sei. Das passt hinten und vorn nicht zusammen.

Höcke in der Sachpolitik überlegen

Bei den sachpolitischen Themen argumentiert Höcke überlegen, während bei seinem CDU-Kontrahenten das Provinzielle nur allzu deutlich durchscheint. Seine pointierte Aussage, die EU müsse „sterben“, damit Europa leben könne, erläutert der Thüringer AfD-Chef souverän: Für ihn ist die EU das Europa der Lobbyisten, Bürokraten und Großkonzerne – die AfD wolle ein Europa der Vaterländer, einen Bund europäischer Staaten. 

Freien Markt und Schutz der Grenzen sieht Höcke als zentrale Aufgaben europäischer Zusammenarbeit, „Superstaat und Superbürokratie“ lehnt er ab. Von Mario Voigt kommen die üblichen hohlen Sprüche von der EU als Wohlstandsgarant und ein bisschen Detailkritik an Bürokratie und Verbrennerverbot. Für Höcke ein leichter Konter: An alledem habe die Union als Regierungspartei doch selbst eifrig mitgestrickt, und die „Luftbesteuerung“ per CO2-Abgabe mache Deutschland auch nicht wettbewerbsfähiger.

„Konrad-Adenauer-Stiftungssound“ nennt Höcke treffend den typischen CDU-Redestil, in dem sein Gegenüber Worthülsen und Phrasen aneinanderreiht. Voigt windet sich, aber Höcke lässt nicht locker und rechnet ihm sein Glaubwürdigkeitsproblem vor: Die CDU war im Bund am längsten Regierungspartei und verspricht doch immer wieder von neuem das Blaue vom Himmel.

Voigts „Konrad-Adenauer-Stiftungssound“

Beim Thema Migration hat Björn Höcke ebenfalls einfaches Spiel und nagelt die CDU auf ihre Verantwortung für die desaströsen Merkel-Jahre und die Migrationskatastrophe fest: „Sie haben das Land mit Ihrer Migrationspolitik an den Rand des Kollapses geführt. Und jetzt, nachdem Sie das Kind in den Brunnen geworfen haben, beginnen Sie, das Wasser abzuschöpfen und Symptompolitik zu machen. Das glaubt Ihnen doch kein Mensch mehr.“

Höcke fordert ein klares Signal an die Welt, dass das „Weltsozialamt Deutschland geschlossen“ sei und die „Sozialmagneten“ abgeschaltet werden. Voigt versucht mit ein paar Schlagworten gegen illegale Migration dagegenzuhalten. Die Abschiebebilanz der Unions-Ministerpräsidenten sei doch genauso mies wie die der roten und „grünen“, bohrt Höcke unbarmherzig nach. 

Der CDU-Mann sagt immer wieder einen offenbar einstudierten Argumentationsbaustein auf: Zwei Thüringer CDU-Landräte hätten doch als erste Bezahlkarten und Arbeitspflicht für Asylbewerber eingeführt, der AfD-Landrat von Sonneberg nicht. Die übrigen CDU-Landräte ebenfalls nicht, aber mehr ist auf dem Haben-Konto der CDU halt auch nicht zu finden. Mario Voigt ist eben der Mann fürs Klein-Klein.

„Remigration“: Höcke-Klartext und „grünes“ Gefasel 

Ins Bockshorn jagen lässt Höcke sich auch nicht, als die „Remigration“ zur Sprache kommt. Voigt kann mit dem Begriff „nichts anfangen“ und wiederholt die „Correctiv“-Lügen von der angeblich gewollten „Vertreibung“ auch von deutschen Staatsbürgern. Höcke wolle Leute loswerden, nur weil ihm ihr Aussehen nicht gefalle, als nächstes wohl auch noch „Brillenträger“, wird der CDU-Mann untergriffig und flüchtet nicht zum ersten Mal in „grünes“ Gefasel und persönliche Angriffe auf Björn Höcke.

Der erklärt geduldig, worum es bei „Remigration“ tatsächlich geht: AfD-Position sei, wer illegal da sei, müsse gehen, und ja, da kämen über die Jahre schon Millionen zusammen. Es sei absurd, nach millionenfacher Zuwanderung immer noch von „Fachkräftemangel“ zu reden. Die wirklichen Fachkräfte machten doch nicht wegen der AfD einen großen Bogen um Deutschland, sondern wegen der hohen Steuerlast, der überbordenden Bürokratie und der eingeschränkten Meinungsfreiheit – wieder ein Punkt für Höcke. Man solle den wissenschaftlichen Begriff „Remigration“ doch nicht so belasten, sondern sich vielmehr auch um die „Remigration“ abgewanderter deutscher Fachkräfte kümmern.

„Nazi“-Bullshit-Bingo

Dass es nicht ohne eine Runde „Nazi“-Bullshit-Bingo [LINK?] abgehen würde, war von vornherein klar. Björn Höcke war vorbereitet, klärte das Uralt-Missverständnis vom „Denkmal der Schande“ noch einmal auf und stellte klar: Der Holocaust war eine Schande, ein Zivilisationsbruch. Mit der „180-Grad-Wende“ in der Erinnerungspolitik meine er, Positives an unserer Geschichte in den Mittelpunkt zu stellen, ohne die Schattenseiten zu verleugnen: „Die Deutschen sind mit sich selbst im Unreinen. Wir müssen uns wieder mit uns selbst befreunden.“

Etliche Minuten Sendezeit verschwendete das Moderatorenteam in seinem Inquisitoreneifer darauf, Höcke wegen seines Volksverhetzungs-Prozesses über „Alles für Deutschland“ zu verhören. Die angebliche „SA-Parole“ sei ein „Allerweltsspruch“, den im übrigen auch König Ludwig I. von Bayern und sogar „Spiegel“-Kolumnisten schon verwendet haben.

Unsicher wurde Björn Höcke lediglich, als er mit einer angeblichen Aussage seines Buches über die SPD-Politikerin Aydan Özoğuz konfrontiert wurde. Die Stelle wurde von den Moderatoren offenkundig falsch zitiert und aus dem Kontext gerissen – nicht Höcke hatte der SPD-Frau vorgeworfen, sie lasse „jenseits der Sprache“ keine „deutsche Kultur“ erkennen, sondern Özoğuz selbst hatte seinerzeit den Deutschen eine eigene Kultur abgesprochen, die über die Sprache hinausgehe. Das lässt Höckes saloppe Bemerkung, so jemand habe „in Deutschland nichts verloren“, in einem ganz anderen Licht erscheinen. Daraus einen „Rassismus“-Vorwurf zu konstruieren, ist grobes Foulspiel, zumal Höcke wenige Zeilen zuvor ausdrücklich erklärt, mit gut integrierten Muslimen kein Problem zu haben.

Absurde Geschichtsdebatten

In diesen absurden Geschichtsdebatten, die außerhalb des deutschen Polit-Biotops vermutlich niemand nachvollziehen kann, gab CDU-Spitzenkandidat Mario Voigt eine denkbar peinliche Figur ab: Er faselte wie ein „Grüner“ von „völkischen Thesen“, vom „Nazischloss in Schnellroda“ und vom „Reichskanzler Höcke“, den er immer wieder persönlich attackierte. Wer wie Höcke in Buchenwald Hausverbot habe, könne nicht Ministerpräsident von Thüringen werden. Der kontert kühl: Ein Gedenkstättenleiter entscheide, wer das Land regieren könne – „Sie haben ja ein seltsames Demokratieverständnis“.

Auf der Zielgeraden wurde es dann wieder substanzieller, und zugleich wurde der Niveauunterschied zwischen den beiden Kontrahenten wieder klarer. Während CDU-Mann Voigt allgemein über „unerträglichen“ Antisemitismus schwadronierte, benannte Björn Höcke den Kern des Problems: Das wurde durch millionenfache Einwanderung aus antisemitischen Kulturen importiert, und deshalb müsse konsequent die Einwanderung aus dem islamischen Kulturkreis stoppen. Auch um unseren Rechtsstaat zu bewahren – „es gibt kein Land mit islamischer Mehrheitsbevölkerung, das ein demokratischer Rechtsstaat wäre“.

„Deutschland braucht Frieden mit Russland“

Auch beim letzten heißen Eisen, der Positionierung zu Russland und zum Krieg in der Ukraine, machte der CDU-Politiker den schwächeren Eindruck. Eingeklemmt zwischen der Kriegstreiberei seiner Partei und dem Friedenswillen der übergroßen Mehrheit der Deutschen, flüchtete Voigt sich in Lokalanekdoten, während Björn Höcke mit nachdenklichen Worten klar Position bezog: „Dieser Krieg muss so schnell wie möglich beendet werden.“ Die Kriegsrhetorik der CDU führe nicht weiter, Deutschland müsse Friedensmacht werden, aber „wer Waffen liefert, will keinen Frieden“. Deutschland brauche „Diplomatie mit Russland, Kooperation mit Russland, Frieden mit Russland“.

Trotz aller persönlichen Angriffe gab sich Björn Höcke im Schlusswort versöhnlich und staatsmännisch: „Meine Hand ist weiter ausgestreckt für eine bürgerlich-patriotisch-konservative Wende.“ Der so Angesprochene bockte im „Grünen“-Jargon zurück: „Sie sind ‚völkisch‘ und ‚autoritär‘“, und schloss eine AfD-CDU-Koalition einmal mehr aus.

Die „Brandmauer“ – ein verlorener Posten

Wer ihm als Regierungspartner zum Ministerpräsidentenamt verhelfen soll, konnte Mario Voigt allerdings auch nicht sagen. Bis er ebenfalls Ministerpräsidenten-Format erreicht, muss er jedenfalls noch ziemlich viel üben. Ob er die von der Parteiführung vorgegebene Linie lange durchhalten kann, ist ohnehin fraglich. Die „Brandmauer“ wird immer mehr zum verlorenen Posten. Seit diesem Fernsehduell hat sie jedenfalls, allen Distanzierungsübungen zum Trotz, einen weiteren tiefen Riss.

Dazu hat, der über weite Strecken arg parteiischen Moderation zum Trotz, schon beigetragen, dass dieses Fernsehduell überhaupt stattfinden konnte. Beide Kandidaten haben am Ende davon profitiert: Der CDU-Mann konnte, auch wenn er sich reichlich provinziell und funktionärshaft präsentierte, mit Höckes Hilfe seinen Bekanntheitsgrad steigern, Höcke konnte das über ihn kursierende dämonisierende Zerrbild konterkarieren und zeigen, dass er Ministerpräsident kann. 

AfD oder CDU – die „Auseinandersetzung des Jahres“

Der kommunistische Noch-Regierungschef Ramelow spielte dagegen keine Rolle, die Splitterpartei SPD hatte sich schon vorab durch ihren törichten Boykottaufruf, statt der Debatte der Chefs der beiden stärksten Parteien lieber „Germany’s Next Top Model“ zu schauen, ihre Bedeutungslosigkeit selbst nochmals bescheinigt. Die „Auseinandersetzung des Jahres“ laute AfD oder CDU, hatte Mario Voigt selbst ausgesprochen.

Gut möglich also, dass das Format Schule macht. AfD-Vorsitzende Alice Weidel, die den „hervorragenden Auftritt unseres Thüringer Spitzenkandidaten“ hervorhebt, bringt es auf den Punkt: „Inhaltliche Debatten, Wettbewerb der Ideen – so geht Demokratie. Nicht mit Ausgrenzung und Medienboykott. Bezeichnend, dass das TV-Duell nicht bei ARD/ZDF stattfand.“ Die Zwangsgebührensender sind tatsächlich die blamierten Verlierer dieses Abends.

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