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Drei Jahrzehnte als Chefarzt in deutschen Kliniken – eine Bilanz

Ein Gastbeitrag des niedersächsischen AfD-Landtagsabgeordneten Jozef Rakicky.

Von Mittelklassewagen, Gelddruckmaschinen und Ärzten aus dem Nahen Osten: Der Krankenhausarzt und AfD-Politiker Jozef Rakicky hat Höhen und Tiefen des deutschen Gesundheitssystems hautnah erlebt

Als ich in den 80ger Jahren in Deutschland meine erste Assistenzarzt Stelle antrat, war ich fasziniert von dem akademischen Geist und der ethischen Begeisterung meiner Kollegen, denen das Streben nach immer mehr Wissen und „best practice“ für ihre Patienten über Alles ging. Die Schattenseiten waren ein zunehmendes „Überangebot“ junger Ärzte. Mit zehn bis zwölf Stunden Arbeitszeit auf Kosten der Familie und Freizeit hatten sie sich in eine Art moderne Sklaverei begeben. Sie absolvierten Fortbildungen bis tief in die Nacht und am Wochenende. Hinzu kamen kurzfristige befristete Verträge und jahrelanges Warten auf Weiterbildungsstellen im Pflichtfach.

Wer pünktlich Feierabend machte, öfter krank geworden war oder dem Professor missfiel, hatte nichts mehr zu lachen und meistens auch keine fachlich-berufliche Zukunft. Die niedergelassenen Kollegen gleicher Fachrichtung vor Ort und die Hausärzte waren ein wichtiges Korrektiv. Sie bewerteten die Behandlung ihrer Patienten. Kritisch begutachteten sie die Qualität der Behandlungsberichte, die nie vom Chefarzt persönlich, sondern von den Oberärzten unterschrieben wurden. Wichtige Entscheidungen über Behandlung der Patienten wurden manchmal mehrmals diskutiert und abgewogen. Das Wohl des Patienten war oberstes Gebot.

Die Behandlungszeit im Krankenhaus wurde nur durch die Heilung des Patienten bestimmt. Die Ärzte prägten den gesamten Krankenhausbetrieb und die Chefärzte prägten ihr berufliches Leben lang ihre Fachabteilungen. Die niedergelassenen Kollegen fuhren Nobelkarrossen und die Krankenhausärzte, mit Ausnahme der Klinikchefs, meistens Mittelklassewagen. Medikamentenmangel, Pflegemangel, Ärztemangel – alles ein Fremdwort. 

Schritt für Schritt begann es sich zu ändern. Den Anfang machte die Einführung der DRG-Fallpauschalen im Jahr 2004 durch die damalige sozialdemokratische Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (auch die Praxisgebühr geht auf ihr Konto). Noch stärker kamen Patienten und Ärzte in der Ära Merkel unter Druck. Ökonomie statt Medizin beherrschte zunehmend die Krankenhäuser und machte auch das Leben der niedergelassenen Ärzte schwer. Krankenhäuser wurden zu Gelddruckmaschinen. Gnadenlose Gesundheitskonzerne kauften die finanziell schwächelnden aber medizinisch und menschlich tadellosen Kommunalkrankenhäuser auf. Zuerst wurden in allen Bereichen die Personalzahlen auf ein eben noch funktionsfähiges Minimum gebracht, die Abläufe gestrafft, Druck erhöht und nur in das investiert, was schnelles Geld in Form von Erlösen versprach.

Vorbei die Zeiten, in denen das Wohl des Patienten über die Dauer des Krankenhausaufenthaltes entschied. Vorbei auch die sorgfältige Abwägung, ob abwarten ratsamer ist als eine invasive und potentiell gefährlichen Untersuchung oder sogar gleich eine radikale Behandlung vorzunehmen. Eine Untersuchung der Herzkranzgefäße bringt mehr Erlös als eine Fahrrad-Ergometrie. Ein Gelenkersatz ist lukrativer als eine konservative Behandlung. Gleiches gilt für den Einbau eines Schrittmachers. Er gehört heute neben neuen Gelenken fast zur Allgemeinausstattung unserer Bevölkerung jenseits der 70. 

Dazu muss alles sehr schnell geschehen. Jeder Tag im Krankenhaus kostet dem Betreiber Geld. Sein Gewinn ist natürlich höher, wenn der Patient nach drei Tagen entlassen wird und nicht erst nach fünf Tagen. Die Entscheidungen sind schnell zu treffen und schnell umzusetzen, sonst wird in den regelmäßigen Leistungs-Vergleichsaufstellungen – sie messen, wieviel Geld ein Arzt fürs Krankenhaus verdient – der imaginäre Finger gehoben, und wenn sich das nicht bald bessert, schnell ein Personalwechsel egal, auf welcher ärztlicher Ebene vollzogen.

Der Arzt ist im Krankenhaus zu einem kleinen Rädchen in einer Geldmaschine geworden und wird ebenso behandelt. Die Folge: 80.000 deutsche Ärzte arbeiten mittlerweile in der Schweiz, viele auch in den skandinavischen Ländern, in der Pharmaforschung oder in der Industrie. Seit fast 20 Jahren kann ich mich nicht an die Bewerbung eines deutschen Arztes für meine Abteilung erinnern. Aktuell haben gut 80 Prozent der Ärzte in unserem Krankenhaus, und den anderen geht es nicht anders, ihre Ausbildung im Ausland, meist im Mittleren und Fernen Osten, absolviert. Milde ausgedrückt sind ihre Fachkenntnisse sehr heterogen. Erschreckend begrenzt ist oft auch ihre Fähigkeiten, mit dem Patienten und den Kollegen angemessen auf Deutsch zu kommunizieren. Vom Anfertigen grammatikalisch und inhaltlich hochwertiger Behandlungsberichte ganz zu schweigen. 

Dem Krankenhausträger ist es scheinbar nur wichtig, die Planstellen zu besetzen. Für die Qualität der medizinischen Arbeit sind die leitenden Ärzte zuständig. Diese dürfen dann versuchen Fehler rechtzeitig zu korrigieren beziehungsweise retten, was geht. Ansonsten haben sie zu schweigen oder können ihr Glück woanders versuchen. So einfach ist das. 

Das deutsche Gesundheitswesen hat sich grundlegend gewandelt. Galt früher der Grundsatz „Im Mittelpunkt steht der Mensch“ heißt es heute „Im Mittelpunkt steht das Geld“. Politiker wie Angela Merkel, Ulla Schmidt und andere aus der Riege der Altparteien haben dafür die Weichen gestellt. Nun haben die Nachfolger eine Krankenhausreform an den Start gebracht. Sie wird manches ändern aber wenig bessern: Insbesondere mit der geplanten Bestimmung der sogenannten Leistungsgruppen kommt ein neues bürokratisches Monster um die Ecke. Absehbare Folgen werden Chaos in der Versorgung und noch mehr Verwaltungsaufwand für Dokumentation, Controlling und Abrechnung sein. 

Auch die Modalitäten der Aufnahme und Verlegung in ein ‚leistungsberechtigtes‘ Krankenhaus bedeuten unüberschaubares Durcheinander. Von den Nachteilen für die Patienten aufgrund der zu erwartenden logistischen Zeitverluste ganz zu schweigen. Eine mehrjährige Übergangszeit mit horrenden Ausgaben, unbeherrschbarem Aufwand und chaotischer Patientenversorgung zeichnet sich zudem ab.  

„So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Wir haben es mit der Ökonomisierung der Medizin übertrieben. Das müssen wir zurückdrehen“, hat Gesundheitsminister Karl Lauterbauch immerhin erkannt und treuherzig offenbart. Wer aber ernsthaft glaubt, dass ihm und anderen derzeit Verantwortlichen die Wende zum Besseren gelingt, sollte dennoch schleunigst einen Arzt aufsuchen. 

Zur Person:

MUDr. PhDr./Univ.Prag Jozef Rakicky (66) ist gesundheitspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im niedersächsischen Landtag. Geboren wurde er 1956 in der ehemaligen Tschechoslowakei. Nach dem Abitur 1975 studierte er Humanmedizin und ab 1979 Philosophie an der Karls-Universität in Prag. Seit 1981 arbeitet er als Arzt in der klinischen Praxis im Fach Neurologie, seit 1994 als Chefarzt. zuletzt am Helios Klinikum St. Marienberg in Helmstedt.

Jozef Rakicky lebt in Helmstedt ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der Asylbewerber-Ansturm von 2015 war für ihn Anlass, in die AfD einzutreten. Während der Corona-Pandemie wandte er sich entschieden und lautstark, gegen verordnete Zwangsmaßnahmen, die wesentlich mehr Schaden als Nutzen anrichteten. Mit der Landtagswahl am 8. Oktober zog er als Abgeordnete der AfD in den Landtag ein. Am 8. November eröffnete er die erste Sitzung des neugewählten Landtages als Alterspräsident.

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