Wahlkampf-Endspurt in Ungarn: Ministerpräsident Viktor Orbán kämpft wie ein Löwe um jede Stimme, denn es könnte knapp werden am 12. April.
Am Ostersonntag nahm Orbán an der feierlichen Wiedereröffnung der komplett renovierten Zitadelle auf dem Gellértberg in Budapest teil. In seiner Rede bei dieser Großveranstaltung äußerte sich der ungarische Regierungschef besorgt über die politische Lage im Allgemeinen und über die Politik Kiews und Brüssels im Speziellen.
Die Torpedierung der Pipelines Druschba und TurkStream durch die Ukraine verurteilte Orbán als „kriminell“, die Energiepolitik der EU nannte er „verrückt“. Zusammen mit dem Nahost-Konflikt bringe beides Ungarn in eine gefährliche Lage, warnte der Premier. Der EU warf er „politisches Versagen“ vor. Laut Orbán steht die ganze Welt am Rande einer beispiellosen Energie- und Finanzkrise, die durch Unterbrechung von Energielieferungen und steigende Preise verursacht werde.
Besonders deutlich wurde Orbán in Richtung Ukraine. Die Sperrung der Ölpipeline Druschba durch Kiew sowie die ukrainischen Angriffe auf die Gasleitung TurkStream seien ein „eklatantes Verbrechen“, erklärte der ungarische Ministerpräsident.
Auch in Richtung Brüssel teilte Orbán kräftig aus. Der EU warf er vor, auf eine Fortsetzung des Ukraine-Konflikts zu setzen. Das Festhalten der EU-Kommission an den Sanktionen gegen Russland kritisierte er als einen „fatalen Fehler“. Die Forderung der EU, Ungarn solle auf russische Energieimporte verzichten, sei „völliger Unsinn“.
Orbán versicherte, dass seine Regierung ihren kritischen Kurs gegenüber Brüssel beibehalten werde, sollte er am kommenden Sonntag die Parlamentswahlen gewinnen.