Die sogenannten Unternehmensgrundsätze sind seit 1967 eine Art heiliger Katechismus für Springer-Journalisten und müssen bei jedem Arbeitsvertrag unterschrieben werden. Zu den unverrückbaren Werten dieser „Essentials“ gehört insbesondere das Bekenntnis zum Existenzrecht Israels. Nicht mehr ganz so unverrückbar schaut es bei Axel Springer (AS) offenbar mit EU-Europa aus.
Laut Medienberichten hat der allmächtige Verlagschef Mathias Döpfner den Springer-Katechismus in mehreren Punkten geändert. Als gravierend fällt besonders eine Streichung in Punkt eins der aktuellen Fassung auf.
Dieser lautet jetzt: „Wir treten ein für Freiheit, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie.“ Zuletzt hatte es geheißen: „Wir treten ein für Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie und ein vereinigtes Europa.“ Der Zusatz das „vereinigte Europa“ wurde gestrichen. Spekuliert wird in Medienkreisen, dass Döpfner die Nase voll habe von der Regulierungswut der Brüsseler EU-Kommission.
Auch die „soziale Marktwirtschaft“ ist jetzt nicht mehr in den Grundsätzen verankert. Vielmehr verlangt der Springer-CEO seinen Mitarbeitern jetzt das Bekenntnis zu einer „freien Marktwirtschaft“ ab. Zur Begründung heißt es, dass „social market economy“ ein deutscher Begriff sei, der durch das immer internationalere Geschäft des Medienriesen überholt sei.
Weiter (woker) gefasst hat man den Begriff der Diskriminierung. Statt nur gegen sexuelle Diskriminierung müssen AS-Mitarbeiter gegen jede Form der Diskriminierung sein.