Arrogant – skrupellos – gerissen
Und wieder hat er es geschafft, sich ganz nach oben zu tricksen: Cem Özdemir, Sohn türkischer Gastarbeiter aus der schwäbischen Provinz, wird mit knappem Vorsprung im Finale der Landtagswahl voraussichtlich der nächste Ministerpräsident von Baden-Württemberg.
Nach fünfzehn „grünen“ Regierungsjahren bekommen die Bürger im Südwesten der Republik als Fortsetzung nicht nur den ersten muslimischen Regierungschef eines deutschen Bundeslandes. Sie haben ein Trojanisches Pferd gewählt, das unter dem Tarnmantel des pragmatischen Leuteverstehers die „grüne“ Transformation und Deindustrialisierung ihres ehedem wohlhabenden Landes vollenden wird.
Die Masche, als „Grüner“ einfach so zu tun, als hätte er mit den „Grünen“ und ihrem ideologischen Irrsinn gar nicht so viel gemeinsam, hat Cem Özdemir sich von Winfried Kretschmann abgeschaut, der als erster „grüner“ Ministerpräsident die Baden-Württemberger mit dieser Masche fünfzehn Jahre lang erfolgreich narkotisiert hat, während er ihr Land „grün“-ideologisch transformiert, ihm die Energieversorgung zerschlagen und es wirtschaftlich an die Wand gefahren hat.
Der frühere Maoist Kretschmann hatte sich den ehrgeizigen Diplom-Sozialpädagogen aus Bad Urach kaum zufällig schon frühzeitig als Wunsch-Nachfolger ausgespäht. In der Ministerpräsidenten-Villa Reitzenstein hoch oben über Stuttgart thronen, ab und zu mal was Kritisches über Migration und Verbrennerverbot sagen und über die eigene Partei bruddeln, aber ansonsten alles exekutieren, was alles so an Irrsinn im „Grünen“-Programm steht – das würde „der Cem“ schon auch noch hinbekommen.
Im Wahlkampf hat er sich denn auch als gelehriger Schüler erwiesen. Den Trick mit dem „Grünen“, der eigentlich gar kein richtiger „Grüner“ wäre, haben ihm die Staats- und Mainstream-Medien auch prompt abgekauft; noch am Wahlabend haben sie alle wieder jeden „Grünen“-Vertreter brav drauf angesprochen und kamen sich dabei wunder wie kritisch vor. Die Renommier-Agentur Jung von Matt hatte ihm dazu eine dicke schwarze Brille verpasst, die stark nach 60er-Jahre-CDU-Politiker aussieht, und den Kandidaten mit staatsmännisch klingenden Null-Sprüchen – „Vertrauen“, „Erfahrung“, „Der kann es“ – garniert.
Die Show hat offenbar gereicht, um die „Weiter so“-Wählerschaft nach allen Regeln der Kunst einzuspannen: die in fünfzehn „Grünen“-Jahren noch mal kräftig aufgeblähte Gruppe der Beamten und Netto-Steuergeld-Profiteure, die von „grüner“ Politik entweder profitieren oder die Folgen nicht zu spüren bekommen, sowie all die Über-70-Jährigen, die nur noch ihre Ruhe wollen und vor der „Tagesschau“ auf das Ende warten.
Noch vor ein paar Monaten wollte ihm sogar das „Grünen“-Hausblatt, die linksradikale „taz“, nur noch Außenseiterchancen geben. Jetzt hat er es doch geschafft. Der Vorsprung auf die CDU ist zwar nur knapp ausgefallen, aber das reicht ihm, um dort weiterzumachen, wo Kretschmann nach drei Wahlperioden altersbedingt aufhören will: Kernkraftwerke sprengen, das Land mit nutzlosen Windrädern zupflastern, die produktive Industrie aus dem Land treiben, die Autoindustrie und den Mittelstand, an denen das ganze Land hängt, zu Tode foltern und dabei demonstrativ schwäbelnd mit antrainiert sonoror Fernsehprediger-Stimme Marke Obama den Leuten immer schön erzählen, dass schon alles nicht so schlimm werden wird.
Özdemir will „Minischderbräsidend“ werden und denkt gar nicht daran, der CDU allzusehr entgegenkommen, obwohl die genausoviele Landtagsmandate wie die „Grünen“ hat und zwar ein paar tausend Zweitstimmen weniger, aber dafür mehr Direktmandate. Die sind außerdem immer noch beleidigt, weil die „Grünen“ ihnen auf den letzten Metern vor der Wahl noch eine miese Schmutzkampagne zwischen die Beine geworfen haben.
Eine „Grünen“-Hinterbänklerin hatte den tolpatschigen CDU-Frontmann Manuel Hagel mit einem Uralt-Video, in dem er sich flapsig-anzüglich über eine Begegnung auf einem Schulklassen-Termin geäußert hatte, als „Sexisten“ und Quasi-„Pädophilen“ hingestellt. Dass Özdemir von der Aktion nichts gewusst haben will, kann er dem Opa Kretschmann erzählen, und selbst der wird es ihm wohl nicht abnehmen.
Von dem Grünschnabel Hagel will Özdemir sich jedenfalls nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Er schwadroniert zwar im Predigerton von „Augenhöhe“, aber Machtteilung oder allzu große Zugeständnisse kommen für ihn nicht in Frage. Das ist für Özdemir alles „Quatsch“. Wo die „Grünen“ am Ruder sind, wird „grüne“ Politik gemacht. Die CDU, die schließlich auch die letzten zehn Jahre als Juniorpartner beim „grünen“ Zerstörungswerk artig mitgemacht hat, wird schon rechtzeitig wieder umfallen. Dafür sorgt schon die „Brandmauer“.
Mit der „Erfahrung“ und dem „Der kann es“ ist es freilich so eine Sache. „Der Cem“, der sich gerne als penetrant dialektgefärbter „anatolischer Schwabe“ inszeniert, hat zwar als einer der ersten mit dem Migrantenbonus bei den „Grünen“ schnell Karriere gemacht, ist aber immer wieder über die eigene Gier gestolpert: Flugmeilenaffäre, Privatkredit von einem zwielichtigen PR-Berater, zeitweiser Rücktritt – alles lange her, das war Ende der Neunziger, als Politiker wegen Skandalen noch zurücktreten mussten
Auch in den eigenen Reihen gilt Özdemir als nicht eben fleißig, was ernsthafte Aktenarbeit angeht. Wenn die joviale Fassade fällt, kommt der schnöselige Emporkömmling durch, der nach unten tritt und auch mal einen Passanten, der ihm nicht zujubeln mag, grob abbürstet: „Halten Sie bitte die Fresse […] Wir sind hier in Deutschland, ich rede gerade, bitte Maul halten“, nuschelte Özdemir durch seinen Corona-Gesinnungsknebel. Das war im vorletzten Bundestagswahlkampf, 2020.
Özdemirs Bilanz als Bundeslandwirtschaftsminister in der „Ampel“-Regierung ist auch eher durchwachsen. Die Bauern hat er mit bürokratischen Zwangsjacken und absurden Ernährungsdiktaten in den Wahnsinn getrieben und anschließend beschimpft, wenn sie empört auf die Straßen gingen. Dafür musste in Özdemirs Ministerium für Ernährung undsoweiter die Mitarbeiterkantine schließen, weil er keinen Pächter finden konnte, der seine grotesken Bio-Öko-Veggie-Auflagen erfüllen wollte.
Einen Özdemir kratzt das alles nicht. Auch nicht, dass die CDU nach dem langen Kuschel-Wahlkampf auf einmal anfängt, über seine „herablassende Arroganz“ zu meckern. Jetzt wird Baden-Württemberg weiter transformiert, bis nichts mehr übrig ist. Und das Stimmvieh plappert freudig nach, was die Werbeprofis ihm vorgekäut haben: „Der Özdemir isch en super Kerle.“ Na dann: Guts Nächtle, Baden-Württemberg.