Die Zahl der aus der ukrainischen Armee desertierten Soldaten nimmt öffentlich zugänglichen Quellen zufolge dramatisch zu: Allein im vergangenen Jahr entfernten sich rund 200.000 Ukrainer unerlaubt von der Front. Insgesamt wurden seit Kriegsausbruch vor vier Jahren demnach mehr als 310.000 Ermittlungen wegen Desertion eingeleitet. Zwei Millionen Ukrainer sollen zudem zur Fahndung ausgeschrieben sein, weil sie sich der Einberufung entziehen.
Derweil stößt die Praxis der gewaltsamen Rekrutierung auf offener Straße durch Militärbeamte zunehmend auf Widerstand in der Bevölkerung. So kam es dieser Tage an verschiedenen Orten zu spontanen Aktionen, bei denen sich Passanten mit Männern solidarisierten, die gegen ihren Willen an die Front verschleppt werden sollten. Wie im Netz kursierendes Bildmaterial zeigt, wehrten sich Ukrainer mit Brechstangen und Tränengas gegen die brutale Zwangsrekrutierung.
Ein Vorfall ereignete sich in einem Dorf in der Region Tschernigow im Westen der Ukraine. Der offenbar authentische Videoclip zeigt, wie ein Rekrutierer einem Mann ins Gesicht tritt und eine andere Person, wahrscheinlich eine Frau, zu Boden wirft, bevor er ihr mit seiner Pistole auf den Kopf schlägt. Sein Kollege eilt herbei, um wiederholt auf das erste Opfer einzuschlagen, während andere Militärbeamte Schüsse abgeben. Die örtliche Polizei erklärte, dass sich die Häscher des Militärs hätten wehren müssen, als sie einen Mann festnehmen wollten, der sich der Wehrpflicht entzogen habe.