Nach jahrelanger Abwesenheit auf Parteiveranstaltungen ist die frühere CDU-Vorsitzende, Ex-Kanzlerin Angela Merkel, am Freitag (20.Februar) auf dem Stuttgarter Bundesparteitag der Christdemokraten von den rund 1.000 Delegierten mit stehenden Ovationen gefeiert worden. Merkel kam im grünen Blazer, trug eine schwarz-grüne Halskette. Eine Botschaft, die alles sagte, wohin die Reise der Union gehen soll.
Kanzler Friedrich Merz hatte seine Intimfeindin zuvor mit einem knappen Handschlag begrüßt. Als Merz seine Rede beginnt, kommt er nicht weit. „Liebe Angela“, heuchelt er gerade, da bricht tosender Beifall los.
Merkel lächelt ihr süffisant-wissendes Lächeln, während Merz weiter Süßholz raspelt, seine Vorvorgängerin im Bundeskanzleramt allen Ernstes eine von „vielen treuen Wegbegleitern“ aus der Union nennt . Peinlich: Merz muss mehrmals ansetzen, um seine Rede überhaupt fortsetzen zu können.
Kurz zuvor hatte sich in der Parteitagshalle der Stuttgarter Messe eine Szene abgespielt, die eigentlich alles sagt über das zerrüttete Verhältnis zwischen Merkel und Merz:
Um 10.25 Uhr betritt Merkel den Saal, steuert auf die erste Reihe zu. Charlotte Merz sitzt da schon. Die beiden Frauen sehen sich eine Schrecksekunde lang an, dann wendet sich die Kanzlergattin grußlos ab. Merz selbst begrüßt Merkel kurz und knapp mit einem kühlen Händeschütteln. Man wechselt noch ein paar gekünstelte Worte, lächelt für die Kameras.
Was führt Merkel im Schilde?
Es war das Thema in den Reihen der Delegierten: Was bezweckte Merkel mit ihrem nach fast sechs Jahren plötzlichen Wiedererscheinen auf einem Präsenzparteitag? Wittern die „Merkelianer“ um die Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (NRW) und Daniel Günther (Schleswig-Holstein) Morgenluft? Strickt Merkel, über deren (trotz Dementi) mögliche Kandidatur als Bundespräsidentin 2027 heftig spekuliert wird, an einem politischen Comeback? Bereitet ihre Prätorianer-Garde hinter den Kulissen den Sturz von Merz vor?
Oder wollte die 71-Jährige einfach mal „Hallo“ sagen, um ihre Partei zu unterstützen? Das glaubt ernsthaft kein Mensch, auch wenn sich CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann nach außen um eine entsprechende Deutung bemühte: Merkels Erscheinen sei mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen „ein wichtiges Signal“ für die Partei.
Eine nicht nur heimliche Sehnsucht
Für Friedrich Merz verheißt das Stuttgarter Hochamt für Merkel nach Einschätzung von CDU-Insidern nichts Gutes: Mit Merkel erinnern sich viele in der CDU an Wahlergebnisse um die 40 Prozent. Merkel gilt noch immer als das Gegenmodell zu Merz, als der Mensch gewordene Traum von Schwarz-„Grün“.
Auch das muss Merz, der nach nicht einmal einem Jahr Amtszeit im Umfrage-Tiefkeller angekommen ist, zu denken geben: Laut Umfragen vermisst ein Viertel der Deutschen die Masseneinwanderungskanzlerin noch immer.
Noch eine Szene mit Symbolkraft: Merkel nimmt in der ersten Reihe demonstrativ zwischen den gescheiterten Ex-Parteichefs Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet Platz. Beide gehören zum harten Kern der Merz-Widersacher!
Mehr als eine Stunde lang sprach Merz zum Auftakt des zweitägigen Parteitages zu den Delegierten, spulte seine wohlfeilen Worthülsen ab. Deutschland solle unter seiner Kanzlerschaft wieder zu „Höchstform“ auflaufen. Dazu seien viele Reformen nötig. Merz: „Ich will nicht nur moderieren. Ich will antreiben, ich möchte uns zu Hochleistung motivieren! Deutschland muss zur Höchstform auflaufen, sonst schaffen wir das nicht, was wir uns vornehmen müssen.“
Während der Merz-Rede war Merkels Gesichtsausdruck die Skepsis deutlich anzusehen.