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Hass auf die AfD und Russophobie: Wie glaubwürdig ist Julian Reichelt eigentlich?

„Grüne lassen uns fürs Klima hungern!“, „Energiekrise: Darum sollen Deutsche jetzt im Müll wühlen“, „Faeser hetzt ARD gegen die eigenen Bürger auf!“, „Ein Dorf in Angst“ oder „Ich verweigere die Gebühren“ – so lauten einige Videotitel auf dem neuen YouTube-Kanal „Achtung, Reichelt“ (294.000 Abonnenten). Ex-Bild“-Chef Julian Reichelt ist fraglos mit den richtigen Themen unterwegs. Doch wie glaubwürdig ist der Medienprofi, der gleichzeitig mit finstersten Verschwörungstheorien gegen Russland wütet und die AfD zum Teufel wünscht?

Von Aloys Krause

„Cui bono?“, sagt der Lateiner. Wem nützt es? Die Mutter aller Fragen auf der Suche nach Hintergründen. Wem nützt Reichelt? Der AfD will der Ex-„Bild“-Chef erklärtermaßen nicht nützen. Er hasst die einzige wirkliche Oppositionspartei in Deutschland, belegte sie in seiner „Bild“-Zeit mit einem fanatischen Interview-Boykott.

Dennoch kommt Julian Reichelt mit seiner unbestritten professionell gemachten Polit-Show „Achtung, Reichelt“ auch bei AfD-Wählern an. Er thematisiert die richtigen politischen Fragen. Er kritisiert die Altparteien und die unfähige „Ampel“-Regierung für deren Inkompetenz und ideologische Ausrichtung.

Aber Reichelt ist auch ein Wanderer zwischen den Welten. Eigentlich würde man ihn klar bei der AfD verorten wollen. Deren Themen übernimmt er, um nicht zu sagen: klaut er – eins zu eins.  Aber die AfD, der er selber in ideologischer Verblendung vermeintlichen Antisemitismus und wahrheitswidrig Verharmlosung des Holocaust vorwirft, ist für ihn des Teufels.

Ist Julian Reichelt ein Julian Heuchelt?

 

„Cui bono?“ Bevor der Autor diese Frage vertieft, sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass der damalige „Bild“-Online-Chef Julian Reichelt 2015 der Erfinder der unsäglichen „refugees welcome“-Kampagne des Springer-Blattes war. Entgegen der landläufigen Meinung war das nicht, wie „Bild“-Insider berichten, der krachend gescheiterte langjährige Herausgeber, Ex-Chefredakteur Kai Diekmann. Dem sei zu dem Zeitpunkt „schon alles egal gewesen“.

Von seinem Glaubwürdigkeitsverlust durch das Willkommens-Gesülze hat sich das bereits 2015  nach 14 neoliberalen und leserfernen Diekmann-Jahren schwer angeschlagene Boulevard-Schlachtschiff nie wieder erholt. Inzwischen liegt die verkaufte Printauflage deutlich unter der Millionengrenze – von einst stolzen fünf Millionen in den 80er Jahren allein in Westdeutschland. 

Springer-Chef Mathias Döpfner kündigte dieser Tage an, dass Springer über kurz oder lang sein kaum noch Umsatz bringendes Printgeschäft einschließlich „Bild“ einstellen und der Verlag sein Portfolio ganz auf Digital-Produkte umstellen werde.

Reichelt, der auf seinem YouTube-Kanal einen betont migrationskritischen Kurs fährt, bereut heute die von ihm seinerzeit pauschal befeuerte Willkommenskultur. Zuletzt versuchte er, die „refugees welcome“-Kampagne mit seinen traumatischen Erfahrungen als früherer Kriegsreporter in Syrien zu rechtfertigen. Sei’s drum: Im Himmel herrscht mehr Freude über einen reuigen Sünder als über 99 Gerechte.

Russophobie und Putin-Hass

Aber nicht nur Reichelts – wenn man so will – opportunistische 180 Grad-Wende in der sogenannten Flüchtlingspolitik irritiert. Noch irritierender sind seine Russophobie und sein geradezu zwangsneurotischer Hass auf Russlands Staatschef Wladimir Putin sowie seine die Altparteien noch in den Schatten stellende Kriegstreiberei.

An Silvester twitterte Reichelt eine „Analyse“, an die er dieser Tage noch einmal vor dem Hintergrund der Panzer-Debatte erinnerte: „Die Ukraine hat zwei Probleme. Ihre Feinde im Osten. Und ihre Freunde im Westen, namentlich: die deutsche Bundesregierung. Die Feinde im Osten sind der Grund dafür, dass die Ukraine dringend westliche Panzer braucht, um in einem brutalen Überlebenskampf bestehen zu können. Die Freunde im Westen sind der Grund dafür, dass die Ukraine sie nicht bekommen wird. Auch in 2023 wird die Bundesregierung keine Leopard II Panzer nach Kiew liefern.“

„SPD fest in der Hand des Kremls“

In seiner „Analyse“ versteigt sich Reichelt zu wüsten Verschwörungstheorien: Die Partei des Bundeskanzlers, also die Scholz-SPD, sei „fest in der Hand des Kremls und seines Geheimdienstapparates ist. Wann immer Wladimir Putin Kanzler Olaf Scholz wenig subtil mit Atomkrieg droht, weiß Scholz: Dieser Atomkrieg muss sich nicht gegen Europa richten, Putin kann genauso gut die SPD meinen.“ Keine Partei im westlichen Bündnis sei „so erpressbar, so korrumpiert, so unterwandert durch Moskau wie die SPD“.

Weiter geht’s mit ideologischem Schaum vor dem Mund: Die SPD habe jahrzehntelang „mit Putin kollaboriert, sich zum nützlichen Idioten des mörderischsten Regimes auf dieser Welt gemacht. Über keine Partei im Westen weiß der KGB-Mann Wladimir Putin so viel wie über die SPD.“ Sozialdemokraten hätten sich „auf so skrupellose Weise in den Dienst des Kreml gestellt, dass die Partei, die Deutschland führen soll, direkt aus Moskau geführt wird.“

„Danke für die Unterstützung“

Womit wir abschließend bei der Mutter aller Fragen bezüglich des Julian Reichelt wären: Wem nützt dieser Mann – wem will er nützen? Ein Mitarbeiter aus Reichelts engstem Umfeld sagt es frank und frei: „Julian träumt davon, er könne  die CDU der 70er, 80er und 90er Jahre wiedererwecken.“

Das hoffen wohl auch die Hintermänner beim Projekt Reichelt bzw. hinter dessen Firma „Rome Medien GmbH“. Laut Medienberichten soll der 2021 im Zusammenhang mit angeblichen Frauengeschichten gefeuerte Ex-„Bild“-Chef finanzstarke Unterstützer haben.

Immer wieder wird der Name des konservativen Milliardärs Frank Gotthardt aus Koblenz geraunt, der Hauptgesellschafter der „Kölner Haie“ sei und in Rheinland-Pfalz diverse Regionalsender betreibt. Gotthardt wiederum war dem Vernehmen nach eng befreundet mit dem ebenfalls aus Koblenz stammenden, an Weihnachten verstorbenen CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs. Zu dessen Tod twitterte Reichelt: „Eine Legende des politischen Berlins ist gegangen. Danke für die Unterstützung in den letzten Monaten, lieber Michael Fuchs. Möge er in Frieden ruhen.“

Manche Fragen beantworten sich ganz von selbst…

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